Niemand will »das Schöne« im Internet

Ich finde es wirklich faszinierend, welche meiner Projekte viele Leser anziehen und welche eben nicht. Wenn ich über die Dinge abjauche, wenn ich dabei sogar in zuweilen unflätige Sprache verfalle, denn bekommt solches Schreiben eine (in Zugriffszahlen gemessen) enorme Aufmerksamkeit – ganz so, als ob die Menschen keine eigenen Schimpfwörter kennten. Und auch das immer wieder ins Gallige und zuweilen Unreflektierte und Hingeklatschte abdriftende Blahblog erfreut sich einer geradezu erschreckenden Leserzahl, obwohl es kaum mehr ist als eine beinahe inhaltslose Linkschleuder mit kurzen Kommentaren, oder, wie ich es gern nenne, mein persönliches Twitter.

So bald ich eher verhalten, zweideutig (manchmal bis zur Schwammigkeit) und ruhig schreibe, ist es hingegen uninteressant, wenn ich nach den Leserzahlen gehe. Und wenn ich gar meiner eigentlichen Lust nachgehe und versuche, etwas nur Schönes zu machen und ein Blog mit ästhetisch ansprechenden Fraktalen fülle (und dabei nur selten so etwas schwergängiges wie die mathematischen Hintergründe und die verwendeten Formeln behandle), zeigen mir die Zugriffszahlen, dass es völlig am »Bedarf« der Internetnutzer vorbeigeht.

»Fraktale Welten« ist unter allen meinen Projekten das Unbeachteste. (Gut, meine Musik wird noch seltener angehört, aber das ist auch sehr speziell.)

»Das Schöne« scheint nicht das zu sein, was jemand sucht oder sehen möchte, wenn er im Internet unterwegs ist.

Und das ist auch das ganze Dilemma dieses Mediums.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

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3 Responses to Niemand will »das Schöne« im Internet

  1. Also auch wenn ich Exot bin, ich mag die Fraktale. Ich frag mich immer, wie man die hinkriegt. Schöne Bilder das sind. Aber gut, vielleicht ist Kunst wirklich etwas am Markt vorbei, Deutschlehrer ärgern sich ja auch, daß keiner mehr Goethe liest…

    Ist Ärger für die Nichtbeachtung der Kunst eigentlich ein Zeichen dafür, daß man »alt« ist?

  2. Das mit dem »Hinkriegen« ist eigentlich ganz einfach. Man nimmt sich eine hübsche Fraktalformel (oder sucht sogar nach ein paar eigenen Formeln) und färbt die Ergebnisse ein. Und »eigentlich« ist eines dieser Wörter, hinter denen sich gern eine gewisse Mühe und Experimentierwut verbirgt…

    Tatsächlich bin ich meist selbst eher überrascht von den Ergebnissen, als dass ich etwas Erwartetes erzielen würde. Der Rest ist hübsche Einfärbung. Und manchmal. Eine Spur Glück. ;-)

  3. _ sagt:

    du eierst der zeit hinterher. oder bist in ihr stecken geblieben. fraktale waren vor 15 jahren »in«, ebenfalls leicht herzustellen und auch damals schon nur »ganz nett« – da sinnfrei und keinesfalls kunst.

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