Endlich gibt es ein großes »ẞ«!

IN GROẞBUCHSTABEN DARF MAN SEIT GESTERN MIT OFFIZIELLEM SEGEN DES RECHTSCHREIBRATES DAS GROẞE »ẞ« BENUTZEN! Das ist gut, wenn auch nicht weiter wichtig. Denn das »ß«, eine diese einzigartigen Gemeinheiten der deutschen Sprache, mit denen wir Deutschschreibenden nebst jenen armen Seelen, die die deutsche Sprache erlernen wollen oder müssen gestraft sind, ist, wenn man einmal von den glücklichen Menschen in der Schweiz absieht, die ohne diesen gleichermaßen hässlichen wie unnützen Buchstaben schreiben und sich dennoch, ohne dass schwere Missverständnisse aufkämen, außerordentlich gut verstehen, neben der Möglichkeit zu schwer durchsteigbaren Satzverschachtelungen, in denen sich der Leser leicht verläuft, wohl der sinnloseste Buchstabe der Welt.

Aber als Deutschschreibender hat man den Salat, und der Salat wird gegessen. Wenn er auch manchmal nicht sehr schmackhaft ist.

Ich bin ja – nach den Neunziger Jahren, in denen Umlaute regelmäßig zu Problemen in der Darstellung, im Druck oder bei einer Suche in einer Datenbank führten – gespannt, wie viele Jahre es noch dauern wird, bis die standardmäßig verwendeten Versionen der wichtigsten Programmiersprachen mit der neuen Situation klarkommen. Hier nur ein kleiner, schneller Test mit Python:

$ cat eszett.py
# -*- coding: utf-8 -*-
from __future__ import print_function
from __future__ import unicode_literals
import sys
quux="ß"
quox="ẞ"
print("Python-Version:", sys.version.replace("\n", ""))
print("Das 'ß' als Majuskel:", quux.upper())
print("Das 'ẞ' als Minuskel:", quox.lower())
$ python2 eszett.py 
Python-Version: 2.7.12 (default, Nov 19 2016, 06:48:10) [GCC 5.4.0 20160609]
Das 'ß' als Majuskel: ß
Das 'ẞ' als Minuskel: ẞ
$ python3 eszett.py 
Python-Version: 3.5.2 (default, Nov 17 2016, 17:05:23) [GCC 5.4.0 20160609]
Das 'ß' als Majuskel: SS
Das 'ẞ' als Minuskel: ß
$ _

Auch, wenns weh tut: Python 3 verhält sich Unicode-konform [Archivversion der FAQ-Seite des Unicode-Konsortiums, denn dieser Punkt wird bald geändert]:

Q: Why does ß (U+00DF LATIN SMALL LETTER SHARP S) not uppercase to U+1E9E LATIN CAPITAL LETTER SHARP S by default?

A: In standard German orthography, the sharp s (»ß«) is uppercased to a sequence of two capital S characters. This is a longstanding practice, and is reflected in the default case mappings in Unicode. A capital form of ß is attested in a number of instances, and has thus been encoded in the Unicode Standard. However, this character is not widely used, and is not recognized in the official orthography as the uppercase form of ß. Therefore, the original mapping to »SS« is retained in the Unicode character properties.

Unicode geht in seinen Definitionen konform zur offiziellen deutschen Rechtschreibung in ihrer bis vorgestern gültigen Fassung. Jede Programmiersprache oder Bibliothek, die Unicode implementiert, wird das genau so machen. Mit Ausnahme einiger Funktionen im immer noch häufig verwendeten Python 2. :(

Ich befürchte ja, dass eine Menge subtiler kleiner Bugs vor uns liegen, wenn Menschen – zum Beispiel in Webanwendungen – damit beginnen, so zu schreiben, wie es ihnen jetzt von der offiziellen deutschen Rechtschreibung erlaubt wird. Vor allem das völlig standardkonforme Verhalten von Python 3 kann sehr unerwartet sein: Der Großbuchstabe zu »ß« ist »SS«, aber der Kleinbuchstabe zu »ẞ« ist »ß«. Python 2 hingegen kennt überhaupt keine Sonderbehandlung für das »ß« und lässt das Zeichen bei derartigen Umwandlungen unverändert. Und nein, das fällt in der offiziellen Python-Dokumentation nicht weiter auf:

$ python2
Python 2.7.12 (default, Nov 19 2016, 06:48:10) 
[GCC 5.4.0 20160609] on linux2
Type "help", "copyright", "credits" or "license" for more information.
>>> from __future__ import unicode_literals
>>> print "quux".lower.__doc__
S.lower() -> string

Return a copy of the string S converted to lowercase.
>>> print "quox".upper.__doc__
S.upper() -> string

Return a copy of the string S converted to uppercase.
>>> print "ß".upper(), "ẞ".lower()
ß ß
>>> _

*grusel!*

Gut, dass solche Probleme zurzeit nicht Bestandteil meines Lebens sind – denn nach jahrelangem Genuss der nachreformierten Reform der Reformrechtschreibung schreibe ich am liebsten so, wie ich will.

Wer in anderen Sprachen programmiert, sollte mal einen kleinen Test machen… ;)

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Der Vorübergehende und die Mode für Gesichtslose

Ein Schaufenster in der hannöverschen Innenstadt, in dem gesichtslose Schaufensterpuppen die gegenwärtige Mode zur Schau tragen. Im Schaufenster eine Reflektion von mir und meinem Fahrrad im sommerlichen Abendlicht, während ich dieses Schaufenster fotografiere.

Ich konnte einfach nicht widerstehen, dieses (recht hässliche) Schaufenster zusammen mit dieser Reflektion von mir und meinem Fahrrad zu fotografieren… ;)

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Ja, Twitter, du kannst mich auch mal!

Screenshot eines Hinweises auf Twitter: Wir aktualisieren unsere Datenschutzrichtlinien. Außerdem geben wir dir noch mehr Kontrolle über deine Daten. Sieh dir an, was neu ist, und ändere ggf. deine Einstellungen, um relevantere Tweets und Werbeanzeigen zu sehen. -- [OK, Einstellungen überprüfen]

Twitter, du Arschloch, ich spreche dich mal an, als ob du ein Mensch wärest.

Twitter, du hast mir schon vorgeschlagen, Hannover 96 und Bayern München zu folgen. Du hast mir sogar schon richtig unerträgliches Geschmeiß wie Journalisten vorgeschlagen, die ich mir garantiert niemals in den Teil meines Lebens holen würde, den ich mir im Gegensatz zur Nicht-Internetwelt erfreulich gestalten will. Du willst »Targeted Marketing« können? Du willst mir »relevantere … Werbeanzeigen« anzeigen können?

Twitter, du hast Menschen aus meiner Timeline, die ich selbst hinzugefügt habe, vor mir wegzensiert, teilweise aus nicht im Geringsten nachvollziehbaren Gründen. Du hast ihre Accounts gelöscht. Du hast Tweets von ihnen unsichtbar gemacht. Du hast sogar mich einmal weggebissen, als mein Account in irgendeiner über Pastebin veröffentlichten Liste zum kollektiven Spamblocken stand. Statt der Menschen, deren Kürzsttexte ich lesen will, hast du mir über deine Empfehlungen die Kürzsttexte von Hysteriepolitiker_innen und SMS-Populisten in meine Timeline drücken wollen und mir immer wieder nahegelegt, dass ich diesen gleichermaßen zanksüchtigen wie selbstverliebten Gebrabbel folgen soll. Du weißt genauer, was ich will, als ich das selbst weiß, und du weißt auch genau, wo es mir juckt und würdest sofort damit anfangen, mich zu kratzen, wenn du könntest. Du willst mir »relevantere Tweets« anzeigen können?

Einen Scheiß kannst du, Twitter!

Nimm deine komplett verkackten Algorithmen mit in die Insolvenz und leck mich am Arsch, Twitter!

Im Moment feierst du dich mal wieder selbst für dein tolles neues Design. Niemand benutzt Twitter wegen des Designs. Früher habe ich die brachiale Einfachheit einer selbst zusammengestellten Timeline, die in chronologischer Reihenfolge dargestellt wird, geschätzt. Aber dann wolltest du Facebook 2.0 werden, und ich kam immer seltener zu dir.

Aber: Wie du dein neues Design anpreist, ist auch mal wieder ganz großes Kino…

Last year, we told you exactly who we are (Twitter is what’s happening!) and refreshed our brand.

Die Werber von Heckler&Koch erzählen mir auch exakt, als was ich sie wahrnehmen soll. Desselbigengleichen jeder andere Scheißwerber auch. Steckt euch eure »Marke« dahin, wo keines Sönnchens Strahl das Dunkle zu erhellen vermag und konzentriert euch lieber darauf, einen guten Webdienst anzubieten.

Today, with lots of feedback and ideas from you, […]

Von mir habt ihr kein Feedback bekommen, und mich habt ihr um kein Feedback gefragt. Wenn man vielleicht einmal davon absieht, dass ich es nicht mehr auf eurer komplett dysfunktional gewordenen und ohne Javascript unbenutzbaren Dreckssite aushalte und mich lieber andernorts vergnüge.

[…] we’re refreshing our product too and making it feel lighter, faster, and easier to use.

Das ist ja toll, dass es sich leichtgewichtiger und schneller anfühlt. Und einfacher benutzbar. Noch toller wäre es freilich, wenn es leichtgewichtiger, schneller und einfacher benutzbar geworden wäre, statt sich nur so »anzufühlen«.

Noch nie war ein Mensch mit der Benutzung Twitters überfordert. Kurztext ins Feld schreiben und absenden. Das ist nicht schwierig. Kurztextbrabbler finden und gegebenenfalls in die Timeline holen. Das ist nicht schwierig. Wer davon überfordert ist, hat garantiert gar nichts mitzuteilen. Nicht einmal in Form von Twitter-Stummeltexten.

We listened closely and kept what you love.

Ihr habt die chronologische Timeline schon vor ganz langer Zeit entfernt. Das war das einzige bei euch, was ich mochte: Roher, ungefilteter Stream von Stummeltexten, zwar unübersichtlich, aber man hat ihn sich ja selbst zusammengestellt. Davon, dass ihr eure Scheiß-API verrammelt habt und irgendwann damit aufgehört habt, Webstandards wie RSS zu bedienen, will ich gar nicht erst anfangen. Das einzige, worauf ihr hört, sind nicht etwa eure Nutzer, sondern es ist das hirnfreie Geschwafel irgendwelcher Marketing-Affen, also gewerbsmäßiger Lügner. Und genau so klingt eurer Text, mit dem ihr eurer Redesign abfeiert.

And for the things you didn’t, we took a new approach to fix and make better.

Ich habe nach dieser Ankündigung eben eure Dreckssite aufgerufen. Ihr habt Piktogramme ausgetauscht. Aber alles, was ihr in den letzten Jahren an eurem Stummeltextwebdienst schlechter gemacht habt, habt ihr schlecht gelassen.

These are some of the changes rolling out across twitter.com, Twitter for iOS, Twitter for Android, TweetDeck, and Twitter Lite over the coming days and weeks. Here’s what you’ll see:

Ach, es ist noch gar nicht fertig? Ihr wollt noch mehr tun, als Piktogramme austauschen? Na, wengistens habt ihr schon einmal eine Ankündigung geschrieben… das kann nicht jeder! :mrgreen:

Profile, additional accounts, settings, and privacy – all in one place! A new side navigation menu and fewer tabs at the bottom of our app = less clutter and easier browsing. You told us you loved this change on Android last year and we’re excited to now bring it to iOS.

Das ist nichts Neues. Die Twitter-Website hat immer alle Einstellungen innerhalb ihrer Website gehabt. Aber ich sehe schon: Ihr redet über eure dysfunktionale »App«, die auf irgendwelchen funktionsbeschränkten Dummkonsumtools der Marke »Wischofon« (dort im Regelfall sogar für die Wischofon-Käufer nicht-deinstallierbar vorinstalliert) läuft und dort absurd weitgehende Berechtigungen einfordert. Zum Beispiel die komplette Kontenverwaltung auf dem Wischofon. Und das Auslesen des Adressbuches. Und das Standorttracking. Und das Mitlesen von SMS. Und den Vollzugriff auf angesteckte Datenträger. Und das app-gesteuerte Aufnehmen von Bildern und Videos. Und das app-gesteuerte Mitschneiden von Gesprächen und Umgebungsgeräuschen. Und die Kontrolle über benutzte WLAN-Verbindungen. Und den automatischen Start, wenn man sein Wischofon mal neu startet. Und die Übernahme des gesamten Displays. Und. Und. Und. Ich habe schon Trojaner mit geringerem Funktionsumfang gesehen. Wofür das alles? Richtig, um Stummeltexte übers Web im JSON-Format abzurufen und in einer App darzustellen. Und wie sollen die Leute, die darauf reingefallen sind, nach Meinung eurer Marketinglügner darauf reagieren? Richtig: Mit Liebe. Ihr seid widerlich!

Links to articles and websites now open in Safari’s viewer in the Twitter app so you can easily access accounts on websites you’re already signed into.*

Moment, was bedeutet das Sternchen?

*iOS only

Das ist aber nett, dass ihr jetzt ganz neu und super für die Apple-Nutzer Webinhalte fast schon im Standardbrowser anzeigt! :mrgreen:

We’ve refined our typography to make it more consistent, and added bolder headlines to make it easier to focus on what’s happening.

Außerdem scheißt ihr darauf, was sich ein Nutzer im Browser an Zeichensätzen eingestellt hat (im Regelfall aus gutem Grund) und nehmt eure verbesserte Typografie. Wie nennt ihr das? Richtig, »konsistenter« nennt ihr das. Scheiße hat übrigens auch eine gewisse Konsistenz. Natürlich ladet ihr die Fonts aus dem Web nach. Ihr habt ja schon mitgeteilt, dass es sich leichtgewichtiger anfühlt. Und jetzt noch der Mjölnir-hafte, absolute Giganto-Oberhammer:

Also, rounded profile photos make it clearer to see what’s being said and who’s saying it.

Die Avatare werden jetzt auf einen Kreis zurechtgeschnitten. Gucke mal, schön rund. Eine runde Sache! Geil!

More intuitive icons make it easier to engage with Tweets – especially if you’re coming to Twitter for the first time. For example, people thought the reply icon, an arrow, meant delete or go back to a previous page. We switched to a speech bubble, a symbol most know and love. We also made the icons lighter for more seamless interaction.

Damit funktionale Analphabeten und erfahrene Comic-Literaten eure Website besser benutzen können, gibts jetzt auch andere Piktogramme im Stile der Jetztzeit. Eine Sprechblase, wenn man etwas mitteilen will, ein Herzchen, wenn man etwas mag. Darauf haben die Menschen sowas von gewartet! Das ist so eine Verbesserung! :mrgreen:

Tweets now update instantly with reply, Retweet, and like counts so you can see conversations as they’re happening – live.**

Moment, was bedeuten die beiden Sternchen?

**Not available on twitter.com and Twitter Lite

Aha, dass es mich gar nicht betreffen würde, das bedeuten die beiden Sternchen. Sehr gut!

Also, you’ll see additional accessibility choices such as increased color contrast and the option to always open supported links in Safari Reader view.*

Wie, habt ihr den Müll auf Apple-Geräten so kontrastarm dargestellt? Das war aber keine gute Idee. Und habt ihr wirklich euren eigenen HTML-Renderer gecodet, statt einfach die Standardkomponente zu nehmen? Das war sogar eine saudumme Idee.

As always, we’ll continue to listen to your feedback and we have more design updates coming soon. Together, we’ll continue to make Twitter even better!

Ja, Twitter, du kannst mich auch mal am Arsche… aber das hatte ich ja schon.

Gut, dass es Alternativen gibt!

Gut, dass mittelfristig nur noch die Idioten bei Twitter bleiben, die sich weder an Zensur noch an Verdummung und Infantilisierung stören. Die können da gern ihre marktoptimierte Kuschelstube behalten und folgen auch jedem Spammer zurück, weil in ihrem lochfraßverdächtigen Gehirne eine große angezeigte Zahl gleichbedeutend mit großer Wie-Wah-Wichtigkeit ist. Wer auf Twitter Werbung schaltet und glaubt, dass Dummheit mit Kaufkraft korelliert, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Immerhin sind ein paar Gossenjournalisten dort, denen gefällt Reklame von Idioten ganz bestimmt. Die leben ja selbst von der Reklame, die irgendwelche Idioten schalten.

Viel Spaß noch mit dem Insolvenzverwalter, Twitter!

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WannaCry-Nachbetrachtung: Du sollst nicht wissen!

Was mich bei der journalistischen und propagandistischen »Nachbehandlung« des sich sehr erfolgreich durch die Netze gefressen habenden Erpresstrojaners und -wurms »WannaCry« ein wenig erschreckt, ist, dass niemand die Frage aufzuwerfen oder zu behandeln scheint, wie »WannaCry« überhaupt in diverse Firmennetzwerke gelangt ist, um sie anschließend verwurmen zu können? Stattdessen wird überall gecybert, dass es nur so in den Ohren fiept. Auch die idiotischsten »Analysen« und Vorschläge finden ihren Platz in der Berichterstattung, immer mit einer ordentlichen Portion gefügig machender Angst gewürzt, damit Raum für wirkungslose Bullshit-Forderungen geschaffen werden kann.

Eine Aufklärung des Vorfalles, die zu einem wirksamen zukünftigen Schutz vor solchen Schäden führt, findet hingegen nicht statt. Stattdessen quillt der Bullshit aus allen Kanälen, und alle machen weiter wie gehabt.

Es gibt im Wesentlichen drei Möglichkeiten, wie »WannaCry« auf einen Computer in einem Firmennetzwerk landen kann (und dort die Möglichkeit zur Verbreitung als SMB-Wurm erhält). Es handelte sich ja ganz offenbar nicht um einen gezielten Angriff auf bestimmte Unternehmen, bei denen bezahlte Insider beteiligt waren, sondern um eine Verbreitung über das Internet. Alle drei möglichen Wege zeigen auch, wie so etwas verhindert werden kann.

  1. Über das Internet erreichbare SMB-Dienste auf Windows-Rechnern
    Ich kann mir beim besten Willen keinen Grund vorstellen, warum die entsprechenden Ports durch einen Router über das Internet freigegeben worden sein sollten. Wenn dies irgendwo der Fall war, handelt es sich um einen Zustand völliger Unfähigkeit der technischen Administration und/oder vollständiger Verdummung derjenigen Menschen, die Entscheidungen treffen und die Durchsetzung dieser Entscheidungen durch die technische Administration einfordern.
  2. Über einen Link aus einer E-Mail oder einen Anhang
    Ich will es mal so sagen: Wenn jemand in seine Bewerbung für einen Job reinschreibt, dass er Computerkenntnisse hat und trotzdem in einer unsignierten, nicht über einen anderen Kanal als E-Mail zuvor abgesprochenen E-Mail herumklickt, um Links und Anhänge aus dieser E-Mail zu öffnen, dann mache ich diesen Menschen vollumfänglich für die damit angerichteten Schäden haftbar (und lasse ihn vorher unterschreiben, dass er das weiß). Ich würde ja auch jemanden haftbar machen, der Betriebsstätten anzündet, indem er grob fahrlässig mit Feuer oder brandfördernden Substanzen umgeht. Mehr zu diesem Thema habe ich schon an anderer Stelle geschrieben. Eine Ergänzung dieser energisch durchgesetzten betrieblichen Richtlinie durch durchgängige Verwendung digitaler Signaturen in der E-Mail schafft mehr Schutz als jedes Antivirus-Schlangenöl.
  3. Als Drive-by-Download in einer Website
    Ich will es mal so sagen: Mit NoScript und einem wirksamen Adblocker als Browser-Plugin kann das nicht passieren. Größere Unternehmungen könnten natürlich auch über einen Zwangsproxy filtern, um der technischen Administration die Arbeit zu erleichtern.

Alle drei »Infektionswege« setzen Inkompetenz und Ahnungslosigkeit bei den Verantwortlichen voraus. Da hilft kein Antivirus-Schlangenöl und auch keine Cyberbomben abwerfende Cyberwehr, da hilft nur das gute, altmodische Gehirn und seine Lern- und Einsichtsfähigkeit. Mit der Einsichtsfähigkeit scheint es aber nicht so weit her zu sein, wenn zum Beispiel bei der Deutschen Bahn die Computer für die Anzeigetafeln und Fahrkarten-Automaten im gleichen Netzwerk wie die normalen Arbeitsplatzrechner zu hängen schienen, so dass die Infektion über SMB möglich war… :(

Ja, »WannaCry« war ein Angriff. Aber es war ein Angriff auf die Dummheit, Gleichgültigkeit, Unfähigkeit und Ahnungslosigkeit. Niemand sollte sich da von Journalisten, Politikern und den PR-Abteilungen diverser Unternehmen »alternative Fakten« in das Gehirn cybern lassen.

Ich schließe – insbesondere im Hinblick auf das kollektive Verschweigen der Gefahr durch Drive-by-Angriffe über »verseuchte« Werbebanner im gesamten deutschsprachigen Journalismus – mit einem Selbstzitat:

So lange Journalisten lieber ihre Leser als ihr (unseriöses) Geschäftsmodell durch Reklamevermarktung gefährden, kann ich nur davon abraten, sich aus journalistischen Produkten zu informieren

Es ist traurig, aber leider wahr.

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Der Unterschied zwischen Linux und Unix…

Das eine hat mehr Bloat, das andere hat mehr brauchbare Dokumentation in den man-pages

$ uname -a
Linux simson 4.4.0-77-generic #98-Ubuntu SMP Wed Apr 26 08:34:02 UTC 2017 x86_64 x86_64 x86_64 GNU/Linux
$ which ls
/bin/ls
$ ls -lh `which ls`
-rwxr-xr-x 1 root root 124K Feb 18  2016 /bin/ls
$ man ls | wc -l
234
$ _ 

Ja, ich weiß, Unbuntu… ;)

$ uname -a
SunOS openindiana 5.11 illumos-48d8443e35 i86pc i386 i86pc
$ which ls
/usr/bin/ls
$ ls -la `which ls`
-r-xr-xr-x   1 root     bin      46K Mai  2 09:13 /usr/bin/ls
$ man ls | wc -l
    1743
$ _

Übrigens: OpenIndiana rockt! Obwohl inzwischen recht viel GNU-Software drin integriert ist (die immer ein ganz dickes Problem mit Bloat hat), fühlt es sich auch sehr flott an. Die Standardshell, die man in einem Terminalfenster oder nach einem Login bekommt, ist die sicherlich vielen Menschen gut vertraute bash – aber natürlich ist OpenIndiana POSIX-konform und deshalb ist sh ein Symlink auf die Korn-Shell (mit der man meiner Meinung nach auch für die interaktive Nutzung ganz gut leben könnte). Erfreulicherweise gehört – anders als beim letzten Solaris, das ich vor vielen Jahren unter die Finger bekommen habe – auch ein vim zur Standardinstallation. Allerdings würde ich mindestens 2 GiB RAM empfehlen.

Wer schon einmal mit Solaris zu tun hatte, wird sich schnell wohlfühlen.

Für Anfänger oder Linux-Umsteiger mit geringen Erfahrungen ist OpenIndiana allerdings… ähm… nicht so gut geeignet, wenn sie nicht gerade eine größere Lernbereitschaft mitbringen. Auch kann es Probleme mit Treibern geben. In diesen Fällen dürfte eine der vielen Geschmacksrichtungen von BSD viel besser geeignet sein, wenn man ein »richtiges« Unix haben oder einmal ausprobieren möchte.

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