So, du willst mir also auf Twitter folgen?

I wanna follow!So, du willst mir also auf Twitter folgen?

Das ist eine gute Wahl, die schon viele getroffen haben. Die meisten sind in meiner Liste Bescheuerte Spammer gelandet, und es werden täglich ein paar mehr. Viele andere sind in meiner Liste Followerspam gelandet, und auch das werden täglich ein paar mehr. Natürlich wurden sie immer von mir zusätzlich geblockt und als Spammer gemeldet, nachdem ich sie in diese Listen packte.

Wenn du Twitter für ein ganz tolles Werbemedium für deine ganz tollen Angebote hältst und ebenfalls in diesen Listen landen willst, tu dir keinen Zwang an! Folge mir einfach mit einem deiner Programme voller gieriger Dummheit; hoffe darauf, dass ich zurückfolge und deinem Spamgezwitscher in meiner Timeline lausche. Ich komme so an meine ganz normalen Tage auf Twitter, packe dich in die passende Liste und melde dich als Spammer. Nicht, weil ich das so gern tue oder nichts besseres mit meiner Zeit anzufangen hätte, sondern weil ich es zu meiner persönlichen psychischen Hygiene brauche, dass ich mich der Spam nicht einfach aussetze, sondern ihr entgegenwirke.

Ich hasse nämlich Spam. Und ich hasse Spammer wie dich.

Woran ich merke, dass du ein Spammer bist?

Na, wenn du nur irgendwelchen Müll-Content bringst (ja, ich werfe einen Blick auf dein Verhalten), in welchem du immer wieder mal irgendwelche Links auf ganz tolle Tipps zum Geldverdienen reinschmeißt, oder Links auf ganz tolle Tools, mit denen man Twitter, Facebook oder sonstwas vollspammen kann, oder Links auf ganz tolle Tipps für den Erfolg im Internet, oder Links auf käufliche Twitter-Follower, oder Links auf ganz günstige Angebote, oder… ach, wenn du Spammer bist, weißst du ja selbst, was Spam ist. Oh ja, ich behandele dich als Spammer, wenn du Spam produzierst.

Oder aber, wenn du wahllos tausenden von Leuten folgst, die gar nichts miteinander oder mit deinem Gezwitscher zu tun haben, wenn ich beim Anblick deiner Follows genau weiß, dass du die nicht etwa liest, sondern einfach mechanisch von einem Dreckstool auswählen lässt; wenn dieses Dreckstool das so stümperhaft macht, dass die Liste quer durch alle Sprach- und Kulturräume und durch alle nur denkbaren menschlichen Interessen geht – ja, dann weiß ich, wie viel Interesse du bei deinem Follow an mir hast. Und ich weiß auch, dass deine Follows nur dafür da sind, dass andere Leute mechanisch und unreflektiert zurückfolgen. Interesse an einer Kommunikation im herkömmlichen Sinne, im Sinne eines Austausches zwischen Menschen, hast du dabei nicht.

Oder aber, wenn du eines dieser aktuelleren Twitter-Spam-Tools benutzt. So ein Programm, das gleich ganz viele Accounts anlegt, die sich dann gegenseitig auf Listen setzen und einander folgen, damit es wie ein irre interessantes Profil aussieht, was du da treibst, Spammer. Die Listennamen, die diese tollen Spamprogramme erzeugen, sprechen wirklich für sich selbst – kein fühlender und denkender Mensch würde solche Listen führen, nicht einmal im Suff oder wenn er unter käsigem Hirnzerfall litte. Wenn ich diese Auflistungen sehe, dann weiß ich, dass du die technischen Möglichkeiten von Twitter nur als ein Vehikel betrachtest, bei anderen Menschen einen falschen Eindruck zu erwecken. Und warum sollte jemand so etwas tun, wenn nicht ein Stück Scheiße wäre, so etwas wie ein betrügerischer Spammer?

Du hast auch eine gute Chance, wenn dein Nick Bestandteile wie »Geld«, »Media«, »Stock«, »Porno«, »SEO«, »Backlink«, »Shop«, »Buy«, »Pharm«, »News«, »Phone«, »App«, »Warez«, »Movie« oder »Content« enthält. In solchen Fällen schaue ich mir nicht einmal mehr deine Timeline an, sondern schicke die Kakophonie deines größtenteils automatisch generierten »Vogelsangs« gleich in den virtuellen Orkus. Wenn du vor deinem Follow auch nur einen flüchtigen Blick auf meine Timeline geworfen hättest, dann wüsstest du sogar, warum ich das so handhabe. Du könntest dir dann sogar vorstellen, welche anderen Nicks bei mir zu einem vergleichbaren, mehr vegetativen Blockier- und Spammeldeimpuls führen werden.

Und wenn du so ein nichtsnutziger SEO-Idiot bist, der mit Twitter-Spam den Index von Google manipulieren will, kannst du dich darauf verlassen, dass ich nicht nur meine üblichen Klicks bei Twitter mache, sondern sogar ein bisschen mehr Mühe darauf verwende, das zu behandeln. Menschen sind nämlich im Internet darauf angewiesen, dass sie finden, was sie suchen, und deshalb habe ich etwas dagegen, wenn sie finden, was Spammer sie finden lassen wollen. Ja, das gesamte SEO-Geschmeiß betrachte ich als eine Bande von Spammern – und die Menschen, die sich mit einer menschlich vernünftigen und technisch korrekten Auszeichnung von HTML-Dokumenten im Internet beschäftigen, nennen sich schon lange nicht mehr so, um nicht mit Spammern verwechselt zu werden. Wer nämlich etwas auf sich hält, wer einen Ruf zu verlieren hat, der will mit stinkenden, asozialen Spammern nichts zu tun haben.

Ich bin wirklich altmodisch. Ich halte Twitter (und darüber hinaus das gesamte Internet) für ein Medium, das der offenen persönlichen Kommunikation zwischen Menschen dient, und ich nutze es dafür. Gut, einigen meiner Follower dient es trotz seiner Nachteile für diese Anwendung als moderne »Alternative« zum RSS-Reader, und deshalb wird auch bei meinen Blogpostings ein automatischer Tweet mit Link erzeugt – aber selbst das ist immer noch Kommunikation, wenn auch in einer nicht mehr ganz so hübschen Form. Um diese Kommunikation nicht zu gefährden, halte ich sie so frei von idiotischer Reklame, wie es nur irgend möglich ist. Du siehst, ich betrachte dieses Zwitscherding ganz anders als du, Spammer. Ich sehe darin keine Möglichkeit, aus jedem menschlichen Miteinander im Internet einen sozial optimierten Geschäftsvorgang zu machen, wie du es tust. Und dafür, wie du Twitter (und andere Möglichkeiten des Interent) siehst und mit deiner täglichen, asozialen Spammerei nach deiner herzlosen, zerstörerischen Gier umgestaltest, dafür hasse ich dich.

Irgendwann, Spammer, da wirst du es zusammen mit deinem asozialen, spammenden Rotzpack geschafft haben, dass viele menschliche, an Kommunikation interessierte Nutzer bei Twitter ihre Timeline auf privat stellen, um vor deinen Belästigungsversuchen Ruhe zu haben. Viele Menschen, mit denen ich zu tun habe, machen das bereits. Ich bin noch nicht zu dieser Resignation bereit. Ich werde auch weiterhin alles dafür tun, dass Twitter für dich und deinesgleichen ein unangenehmer Ort bleibt. Und ich werde diese Bemühungen sogar noch ausweiten.

Also folge mir ruhig! Oder schick mir eine deiner @-Antworten auf Fragen, die ich niemals gestellt habe! Biete Medikamente und SEO-Dienstleistungen an! Oder auch mal E-Books, Tipps zum Reichwerden, Sonderangebote oder mit deiner Affiliate-ID angereicherte Links auf irgendwelche Betrugscasinos. Ich wünschte, ich könnte dir dafür direkt einen Fausthieb in deine gierige Fresse geben, aber diese Möglichkeit gewährt mir das Internet leider noch nicht. Aber ich kann dich auf eine Liste von Spammern setzen, so dass jeder sieht, dass du ein stinkender Spammer bist, wenn er nur einen Blick darauf wirft, in welchen Listen du erscheinst. Und ich kann twittern, in harten Fällen sogar bloggen, dass du ein Spammer bist. Und ich kann anderen Menschen empfehlen, das genau so zu handhaben. Und ich kann dich bei Twitter blockieren und als Spam melden und hoffen, dass ich noch einmal eine Zeit erlebe, in der dir und deinesgleichen ganz schnell die Accounts weggelöscht werden. So richtig schnell geht es im Moment leider nur, wenn ich den Twitter-Support anmaile, weil einer deiner spammenden Geistlosigkeitsgenossen nicht lizenzierte Software, Imitate von Markenprodukten, Programme zum Zuspammen von Twitter oder gar Kinderpornographie anbietet – und ich habe bis jetzt jedes Mal nach der dann meist schnellen Account-Löschung von einem Twitter-Mitarbeiter einen Dank für meinen Hinweis bekommen, manchmal sogar die Information, dass auch eine Anzeige erstattet und die Daten an die Justiz weitergeleitet wurden, damit ermittelt werden kann. Ich wollte, so etwas blühte jedem Spammer! Denn dann wäre Twitter ein erträglicherer Ort für die restlichen 99,25 Prozent seiner Nutzer.

Denn es gibt ja auch die (leider viel selteneren) Follower, die keine Spammer sind.

Diese sind übrigens ganz einfach zu erkennen.

Sie zeigen in ihrer Timeline, dass sie Interessen haben, die zu meiner eigenen Twitter-Nutzung und zu meinen Mitteilungen passen – und wenn sie auch nur ein Interesse aus dem Grund haben, dass sie eine in wichtigen Punkten gegensätzliche Meinung vertreten. Ich lese übrigens auch Leute, die meiner Weltsicht niemals zustimmen würden, und manchmal kommt es sogar zu einem bisschen Dialog.

Sie zeigen in der Mehrzahl ihrer Follows eine gewisse innere Logik. Manche folgen rein nach politischen oder vergleichbaren Schwerpunkten, andere eher lokal, wieder anderen gehts um Musik, manchen auch um gute Unterhaltung. Dass einer sehr vielen Timelines folgt, ist für mich zwar immer »verdächtig«, aber ich weiß natürlich auch, dass es Clientsoftware gibt, die das wunderbar übersichtlich aufbereiten kann, und deshalb lasse ich mich nicht von der abschreckenden Zahl beeindrucken. In der Regel folgen sie jedoch deutlich weniger als 400 Leuten. Wer noch ein Leben neben dem Internet hat, wird wohl auch kaum mehr lesen können.

Sie haben in ihrer Kurzbiografie nicht gleich etwas stehen, was auf Krämerei oder unsäglichen S/M-Bullshit¹ als primäres Interesse hindeutet. Ihre angegebene Website ist plausibel, oft ein Profil, eine persönliche Homepage oder ein Blog, manchmal jedoch auch ein Portal. Niemals ist es eine reine Reklamesite, und niemals wird diese URL unnötigerweise über einen URL-Kürzer verschleiert, um andere Menschen in die Irre zu führen.

Sie führen »vernünftig« benannte Listen (also nicht so etwas wie »my-followers«, »interessante-tweets«, »deutsche-tweets«, »followerz«, »social-de«, »interessante-leute«, »follow«, »tweeds«, die wie Katzen im Sack wirken), und diese Listen enthalten das, was ihr Name verspricht. Wenn sie auf Listen anderer Twitter-Nutzer erscheinen, denn sind diese auch plausibel und klingen vernünftig.

Sie verstehen die Sprache, in der ich selbst twittere und verwenden diese zumindest manchmal auch selbst. (Ich habe keine Probleme damit, wenn jemand auch türkisch, englisch, niederländisch, italienisch, persisch oder französisch twittert – das kann angemessen sein, um bestimmte Infos weiterzugeben, gerade bei einer eher politischen Nutzung. Ich weiß natürlich auch, dass ein Niederländer oft gut Deutsch lesen kann, aber diese Sprache nicht so gern selbst verwendet. Gut, dass das internationale Internet auch seine lingua franca hervorgebracht hat: Bad Simple English… nicht hübsch, aber man versteht sich doch.)

Kurz gesagt: Es wirkt plausibel, dass sie mir folgen und sie verhalten sich dabei wie ein intelligenzbegabter Mensch mit nachvollziehbaren Absichten und nicht wie ein von zwielichten Ramschkaufleuten oder Verbrechern programmierter, idiotischer Bot, der in seiner Interaktion so wirkt, als würde auf der anderen Seite jemandes Dickdarm im Schädel enden.

Ja, solchen Followern folge ich oft auch zurück… 😉

Aber der Rest… siehe oben. Und leck mich am Arsch!

¹S/M ist meine Abk. für »social media« – der Doppelsinn passt gut zu den verhungerten Kaufleuten, die damit ein Geschäft machen wollen und zu denen, die Kunden dieser verhungerten Kaufleute werden.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

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2 Antworten zu So, du willst mir also auf Twitter folgen?

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