Vor ein paar Jahren

Journalist!

Vor ein paar Jahren habe ich mal einem Leser, der in einem Kommentar auf dem – übrigens ausgerechnet wegen des »Leistungsschutzrechtes für Pressevertreter«, also einem Gesetz, das zum Schaden aller und zu deinen Gunsten durch den Bimbestag gelobbyt – inzwischen eingestellten Blahblog das Bloggen als einen »neuen Journalismus« bezeichnete, sinngemäß geantwortet: »Aber ich dachte, Twitter sei der neue Journalismus«…

Werter Journalist und alle sonstige Arschlöcher da draußen, ich hatte das als Scherz gemeint. Versteht ihr?! Als lustige Idee, die mir in diesem Kontext aufkam und mit der ich so einen Bullshit durch Steigerung der Absurdität bloßstellen konnte. Nicht als Anregung für deine Tätig- und Tätlichkeiten.

Inzwischen macht es dir, werter Journalist, ja gar nichts mehr aus, in zwei Absätzen mit 185 Wörtern und 1285 Zeichen Text irgendwelche Schnippsel aus dem Zwitscherdingens zu zitieren, nur, damit du die Text-Füllmasse für das Redaktionssystem deines industriellen Textvermarkters produzierst. Dass du damit 46 Prozent der gesamten Artikellänge mit belanglos-frivolem Gezwitscher füllst, stört dich dabei auch nicht weiter, weil die restlichen 54 Prozent ebenso belangloses jornalistisches Gesülze sind, dessen lebenspraktische, politische und gesellschaftliche Relevanz noch weit unterhalb der Gespräche verpickelter Teenager in gewissen Webforen liegt.

Hauptsache, da steht irgendein Text in deiner journalistischen Website.

Denn wegen des eigentlichen Geschäftes, das du vorantreibst, der eingeblendeten Reklame – die in diesem Fall bei der »taz« mal relativ erträglich ist – kommt ja keiner. Deshalb muss da Text rein. Genau, wie der Wurm am Angelhaken dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler.

Journalist, ich als gelegentlicher »Genießer« deiner seelenlosen und geistamputierten Zwischenablagen-Abschreiberei aus dem Zwitscherchen stelle hierzu Folgendes fest:

  1. Ich habe selbst immer wieder einmal Zugang zum Internet, gehöre also zu dieser 70-Prozent-Minderheit der Bevölkerung der BRD, die das Internet nutzt. Ich habe sogar Zugriff auf solche Trash-Dienste wie das Zwitscherchen. Ich brauche es also nicht, dass du da für mich eine Suche nach tagesaktuellen Schlagwörtern drin machst und mir dann das weitersagst, was du gut daran findest und mir das verschweigst, was du nicht so gut daran findest. Wie man die Suche beim Zwitscherchen bedient, habe ich tatsächlich völlig ohne deine Hilfestellung selbst herausgefunden. Es war auch nicht schwierig herauszufinden.
  2. »Dr. Daini« heißt in Wirklichkeit Dr. Dauni. Und die Zwischenablage, die solche Fehler verhindern könnte, bedient man mit Strg-C und Strg-V. :mrgreen:

Mit Gruß.

Elias Schwerdtfeger

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1 Antwort zu Vor ein paar Jahren

  1. cassiel sagt:

    taz.zahl ich
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    Früher hatten Journalisten jeden Tag eine Zeitung voll zu schreiben.
    Heute meinen die gleichen Jounalisten sie müssten jeden Tag das Internet voll schreiben.

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