Realsatire: Linkgeiz

Beim Denken ans Vermögen
leidet oft das Denkvermögen.

Karl Farkas, österreichischer Kabarettist

Disclaimer: Ich überfliege zugegebenermaßen gelegentlich den »Webmaster Friday«, um etwas zum Lachen zu haben. Ich mag gute Realsatiren. Und. Es ist einfach zu possierlich und niedlich, wenn ich anhand der Themenwahl für den »Webmaster Friday« einen Eindruck davon bekomme, wie die Zielgruppe dieser Website – SEO-Schlangenölhändler, Web-Monetarisierer und andere erbärmliche Hungerkaufleute – über die Dinge zu »denken« pflegt.

Doch heute gibt es ein Thema, das ist so realsatirisch wertvoll, dass ich mich beim Lesen fast eingenässt hätte:

Linkgeiz oder nicht?

Kennt ihr das? Man hat einen guten Artikel zu einem Thema geschrieben, und ein paar Tage später schreibt eine anderer [sic!] darüber. Es ist keine Kopie, bestenfalls scheint es durch den eigenen Artikel inspiriert zu sein, aber: keine Erwähnung im Text – und natürlich auch kein Link. Oder man liest einen Artikel, in dem vieles angerissen ist – und man weiß genau, dass es gute Linkziele dafür gäbe, nur: nichts davon wird erwähnt […]

Nun, um die scheinbar gestellte Frage »Kennt ihr das« zu beantworten, die in unbeholfener rhetorischer Verkleidung nur dazu da ist, manipulativ wirksam die Unzweifelhaftigkeit des Faktischen ins Thema hineinzuziehen: Nein, ich kenne das nicht.

Ob das nun daran liegt, dass ich keine »guten Artikel zu einem Thema« schreibe, oder ob es daran liegt, dass ich mir auch im Internet (keineswegs nur im Web) ein leidlich zivilisiertes Umfeld suche oder schaffe, weiß ich natürlich nicht. Wer mich referenziert, setzt in aller Regel (aber natürlich nicht immer) einen Link.

Viel interessanter finde ich die Frage, wo der von SEO-Schlangenölverkäufern, Web-Monetarisierern und sonstigen jämmerlichen Hungerkaufleuten beobachtete, postulierte und in der heutigen Linkbait des »Webmaster Friday« indirekt sogar beklagte »Linkgeiz« kommt.

Dieser »Linkgeiz« kommt nämlich nicht aus dem Nichts, sondern hat klare, auf der Hand liegende Ursachen. Wer diese Ursachen versteht, der versteht erstens, warum ich seit einer Stunde ein fettes (und leider auch einmal ziemlich unangemessenes) Grinsen im Gesicht habe, wann immer ich an diesen Artikel des »Webmaster Friday« denke; und er versteht zweitens, was im Internet der SEO-Schlangenölverkäufer, Web-Monetarisierer und sonstigen schäbigen Hungerkaufleute schief läuft.

Es gibt ja objektiv keinen Grund, mit Links zu »geizen«.

Das Setzen eines Links im Web ist mit minimalem Aufwand verbunden. Es wertet außerdem den eigenen Text auf, wenn man dem interessierten Leser die Möglichkeit gibt, sich anhand von Quellen ein eigenes Bild zu machen oder sich tiefer in ein angeschnittenes Thema einzulesen. Ein Text ohne Links ist für den Leser des Textes schlecht, und er spart dem Autor des Textes keine Arbeit, wenn er eh einige Dinge nachgeschlagen und recherchiert hat und deshalb die Adressen guter Ressourcen schon vorliegen hat.

Es ist ja auch nicht so, dass Links eine beschränkte Ressource wären. Es kann durchaus sinnvoll sein, mit einer Tafel Schokolade oder einer Tüte Lakritz zu geizen, denn jedes Stück, dass ich davon abgebe, habe ich hinterher weniger für mich selbst – und zwar mit ungewisser Aussicht, jemals etwas zurückzuerhalten. Wer einen Link setzt, hat hinterher nicht weniger Gelegenheiten, Links zu setzen oder im Internet zu veröffentlichen. Der »Geiz« ist pure Dummheit. Und zwar eine Dummheit zum Nachteile des Lesers.

Der Link selbst, in seiner technischen Form und seiner sozialen Funktion, er führt also nicht dahin, beim Schreiben »geizig« zu sein. Aus welchem sonstigen Grund kann dann jemand auf die Idee kommen, dass »Linkgeiz« gut ist?

Das ist sehr einfach zu erklären.

Es liegt an einer Erscheinung unter SEO-Schlangenölverkäufern, Web-Monetarisierern und sonstigen unseriösen Hungerkaufleuten, die ich »SEO-Spam« nenne, weil ich sie nicht von Spam unterscheiden kann. Diese Leute haben beobachtet, dass Google die Relevanz einer Website und damit ihre Position in einem Suchergebnis anhand der dorthin weisenden Links von anderen Websites ermittelt, und dann haben sie sich gesagt: »Dieses Relevanzkriterium, das in seiner Grundidee einmal einen Teil der sozialen Wirklichkeit des Web abgebildet hat, müssen wir zumüllen, um unsere Websites von SEO-Schlangenölverkäufern, Web-Monetarisierern und ausgemergelten Hungerkaufleuten künstlich in den Suchergebnissen nach oben zu befördern. Dass die Google-Suche auf diese Weise beschädigt wird und schon mittelfristig für viele Zwecke immer nutzloser wird, nehmen wir dabei für unsere kurzfristigen Geschäftsideen in Kauf. Das Machen von Websites hingegen, die gern und freiwillig von anderen Menschen verlinkt werden, ist uns zu mühsam, da könnten wir ja gleich arbeiten gehen«.

Und dann haben sie damit angefangen, lauter Seiten in das Web zu machen, die sich nicht mehr an menschliche Leser, sondern nur noch an Google richten: Seiten mit ganz vielen Links und mit ganz dünnem »Inhalt«. Google wurde zugespammt.

Natürlich hat Google großes Interesse daran, dass die Google-Suche gute Ergebnisse liefert, denn das ist immer noch das wichtigste Geschäft von Google. Und. Natürlich hat Google auf diese Form der Spam reagiert und seine Algorithmen immer wieder angepasst, um den Schaden an der Qualität des Suchergebnisses zu reduzieren – und zwar unter lautem Wehklagen der SEO-Schlangenölverkäufer, Web-Monetarisierer und sonstigen fragwürdigen Kaufleute aus dem Lumpenproletariat des Internet, die sich wegen der wertvollen Backlinks auch beim »Webmaster Friday« tummeln.

Die gegen Google gerichtete Spam wurde also verfeinert. Nicht mehr die Linkfarm im Web sollte Google manipulieren, sondern gezieltere Links, die eingekauft wurden. (Und das dazu verwandte, ausgesprochen leserverachtende Angebot, ungekennzeichnete und selbstverständlich verlinkte Reklame unter falscher Flagge in Blogs zu veröffentlichen. Mögen die Werber mit solchen Ideen beim Scheißen vom Blitze getroffen werden!)

Auf einmal verwandelte sich der Link, den vorher aus oben gestreiften Gründen fast jeder frei gesetzt hat, ohne sich etwas Besonderes dabei zu denken, in eine geldwerte Handelsware. Ein Link bekam durch den Handel mit Linksetzungen Geldwert.

Ich spreche vom Geld gern als vom »Papier, das Menschen irre macht«. Kaum ist bei einer Sache Geld im Spiele, schon gilt alle Vernunft, jeder richtige Wert und keine Menschlichkeit mehr. Jeder kann das selbst ausprobieren. Zum Beispiel in einer Skatrunde. Spielt man zum Vergnügen, kann es ein heiterer, entspannender Abend werden. Fängt man jedoch damit an, das gleiche Spiel um Geld zu spielen, die vorher geldwertfreien Punkte einen Cent oder gar fünf Cent wert sein zu lassen, bekommt das »Spiel« und das Miteinander in diesem »Spiel« einen anderen Charakter, werden Anstand und Freundschaft hintan gestellt, kehrt eine Anspannung in den Abend ein, die nicht mehr erquickend ist, sondern sogar handfesten Streit hervorbringen kann. Vermutlich hat jeder irgendwann einmal in seinem Leben derartige Erfahrungen gemacht.

Links bekamen auf einmal einen Äquivalenzwert in »Papier, das Menschen irre macht«. Selbst mir als marginalem Mitgestalter des deutschsprachigen Internet werden immer wieder einmal derartige Angebote in mehr oder minder seriöser Form unterbreitet.

Wenn es für einen Link auf einmal »Papier, das Menschen irre macht« gibt, verändert sich der Charakter des Links. Er wird psychologisch zu einer Form von abstrakter Arbeit. Er führt zu vorher absurd anmutenden Gedanken wie diesem: »Warum sollte ich einen Link setzen, ohne Geld dafür zu bekommen, wenn man dafür auch bezahlt werden kann. Ich arbeite ja auch nicht umsonst«. Der »Geiz« mit dem Link ist zwar in Wirklichkeit immer noch sinnfrei, aber es ist durch die Linkvermarktung zu einer irrationalen psychologischen Äquivalenz gekommen; ein gesetzter Link ist zu einer Form von Geld geworden, der im Wahn des »Papiers, das Menschen irre macht« solchen objektiv unpassenden Ideen wie »Sparsamkeit« und »Gewinnmaximierung« unterworfen wird, die für die begrenzte Ressource Geld rational nachvollziehbar wären, für die unbegrenzte Ressource »Linksetzung« hingegen nur psychologisch vernünftig und bei nüchterner Betrachtung absurd sind.

Auf diesem Hintergrund ist es psychologisch völlig »vernünftig«, geizig mit Links zu werden. Die Umwandlung jedes Miteinanders im Internet in einen sozial optimierten Geschäftsvorgang hat jenen gesellschaftskonstituierenden Analsadismus¹ hervorgebracht, der das Miteinander stärker beschädigt als jeder offene Streit. Es ist genau so »vernünftig«, wie sich beinahe jede so genannte »psychische Krankheit« bei genauer Betrachtung als »vernünftig« erweist. Dort, wo das Web vom ersten Moment an ausschließlich unter dem Aspekt des Geschäftemachens verstanden wurde, dort, wo die Contentindustrie sich durch arbeitssparende Zweitverwertung schon erstellter Inhalte eine zusätzliche Profitquelle eröffnen wollte, ohne auch nur an die Besonderheiten und Eigenarten eines Netzes von Computern zu denken, das dazu geschaffen ist, Menschen zusammenzubringen, dort ist der »Linkgeiz« – verlarvt in Floskeln wie »Quelle: Internet« – so gewöhnlich geworden, dass er vielen Lesern kaum noch auffällt. Vermarktung macht das Web eben kaputt, indem es die soziale Funktion des Webs irreparabel beschädigt².

Und das ist der Grund, weshalb ich aus dem Lachen nicht mehr herauskomme. Dort, wo sich die SEO-Schlangenölverkäufer, Web-Monetarisierer und zwielichtigen Hungerkaufleute tummeln, die den »Linkgeiz« mit ihren Geschäftsideen erst hervorgebracht haben, wird eben dieser »Linkgeiz« zum Thema erhoben. Als Linkbait. Auf einer Website, die dafür Backlinks setzt.

Hach, manchmal erzeugt »das Papier, das Menschen irre macht« auch so richtig gute Realsatiren. 😀

Fußnoten

¹Typische Abwehrmechanismen sind Reaktionsbildungen, die Verschiebung und Isolierung des angstmachenden Affekts, und das Ungeschehenmachen. Ritualisierung, magisches Denken, Sammelleidenschaft, die anale Trias von Pedanterie, Geiz und Sturheit prägen den analen Charakter. Das Denken wird beherrscht durch eine Überbesetzung logischer und intellektualisierender Formulierungen unter Aussparung des Affekts

²Ich musste mein Blahblog, das von Anfang an als eine reine Zitat- und Linkschleuder mit Gallengeschmack konzipiert war, wegen des »Leistungsschutzrechts für Presseverleger« zumachen, weil ich es im Rechtsraum der BRD nicht mehr rechtssicher betreiben konnte. Dieses Recht wurde aus rein geschäftlichen Gründen in den Dunkelkammern des Berliner Reichstags von Lobbyisten der Milliardärspresse vorangetrieben und von CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen in Rechtsgültigkeit versetzt. Hätte ich im Blahblog nicht zitiert, sondern jedes Mal geschickt umformuliert; hätte ich meine Quellen nicht verlinkt, sondern alles als ein eigenes Werk ausgegeben, wäre ich rechtssicher gewesen. Ein Projekt, das mir (und vermutlich auch den vielen tausend täglichen Lesern) ans Herz gewachsen ist, musste ich einstellen, weil die Contentindustrie es mit ihren Geschäftsideen in eine Schlangenhöhle voller juristischer Unwägbarkeiten verwandelt hat. Mit »Linkgeiz« und ein paar umgestellten Sätzen und ausgetauschten Wörtern wäre es gegangen, denn eine Ausweitung des neuen »Leistungsschutzes« für »kleinste Textbestandteile« auf sinngemäß ähnliche Formulierungen der gleichen Fakten und Gedanken würde spätestens in Karlsruhe vorm Verfassungsgericht scheitern. Das ist das Web, das von Vermarktern hervorgebracht wird: Kein Platz für menschliche Werte, die über den Geldwert einer Sache hinausgehen. Ich wünsche euch allen noch viel Spaß damit.

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Nachtwächter-Blah-Archiv

Screenshot der Startseite des archivierten Blogs Nachtwächter-Blah

Nachtrag 15. September: Ich habe hier ursprünglich leider eine Version zum Download gestellt, die wegen der verwendeten Dateinamen unter Microsoft Windows nicht funktionierte. Dieses Problem habe ich, wenn auch ein bisschen spät, behoben. Die jetzt angefertigte Version des Archives ist nicht nur etwas kleiner geworden, sie sollte auch mit jedem Betriebssystem funktionieren. 😉

Eine Archivversion des eingestellten Blogs »Nachtwächter-Blah« kann hier heruntergeladen werden.

Es handelt sich um ein 7-Zip-Archiv mit einer Dateigröße von 68,4 MiB. Entpackt ist die Version zum Offline-Lesen allerdings über 1,1 GiB groß, der Platz sollte also schon auf der Platte vorhanden sein. Ich hoffe, dass jeder ein 7-Zip-Archiv entpacken kann. 7-Zip ist Freie Software und sollte für jedes zeitgemäße Gerät zur Verfügung stehen, das Bits und Bytes verarbeiten kann.

In anderen Archivformaten konnte ich das kleine Monster leider nicht auf eine halbwegs download-freundliche Größe bringen…

Download-Link: Archiv-Version des Nachtwächter-Blah

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Nein, du darfst mich nicht fotografieren!

Danke für deine freundliche Nachfrage, die dich angenehm von den Menschen abhebt, die einfach auf alles ihre Knipse halten, was ihr Herz begehrt – und die mich damit manchmal zu sehr unfreundlichen Reaktionen reizen.

Aber bei aller Freundlichkeit: Nein, du darfst mich nicht fotografieren!

Ich werde dazu niemals eine Einwilligung geben. Und wenn du es ohne meine Einwilligung heimlich machst, so dass ich es nicht bemerke, bist du ein verdammtes Arschloch.

Ich muss davon ausgehen, dass dieses Bild irgendwann direkt oder indirekt bei Facebook, Google Plus oder einer ähnlichen, als Kommunikationsnetzwerk getarnten Datensammelmaschine landet. Auch wenn du mir jetzt sagst, dass du ein Blogger bist, der das »nur« auf seinem nicht-kommerziellen Blog veröffentlicht: Bilder im Web sind Freiwild. Jemand anders wird sich dieses Foto, wenn es hübsch oder auch nur bemerkenswert geworden ist, greifen und auf Facebook, Google Plus oder einer ähnlichen, als Kommunikationsangebot getarnten Datenenteignungsmaschine posten, ein paar eigene oder abgekupferte Worte dazu schreiben, nur, um ein paar Plusse oder Daumenhochs für dieses Posting abzugreifen; diese Glasperlen des S/M¹, für die von dummen, noch unerfahrenen Neuland-Bewohnern alles hergegeben wird. Es ist unvermeidlich, dass das irgendwann passieren wird. Genau so unvermeidlich wie die Dummheit und Kälte unter den Menschen.

Andere werden dieses Bild sehen, andere, die mich schon einmal gesehen haben, aber mich nicht wirklich kennen und deshalb nicht wissen können, wie ich zu solchen Dingen stehe (ich jaule ja nicht jedem ständig die Ohren damit voll); sie werden eine Markierung darauf setzen und sie werden der sich zum Hohn »sozial« nennenden Biometriewanze mitteilen, dass das doch der Elias Schwerdtfeger ist. Vielleicht haben sie auf der gleichen Website einer Unternehmung ohne seriöses Geschäftsmodell auch früher einmal mitgeteilt, bei welcher Gelegenheit sie mich kennengelernt haben, was ich erzählt oder vorgelesen habe, worüber ich Witze gemacht habe und was mich wütend gemacht hat.

Und so wird nach und nach von einem Heer von Idioten eine Biometriedatenbank aufgebaut – von S/M-Websklaven, die sich für diese Arbeit nicht einmal mehr mit Glasperlen, sondern nur mit ein paar Plussen und Daumenhochs anderer S/M-Websklaven bezahlen lassen. Wie viel Respekt doch Judas Iskariot hatte, der hat für seinen Verrat wenigstens noch genug Geld genommen, dass man ein Stück Land davon kaufen konnte, wenns auch zum Friedhof wurde. Die Barbaren des Web geben alles für ein fressendes Nichts her, für ein Spiegelbild des Nichts in ihrem eigenen, hohlen, unsäglich dummen Dasein.

Wenn ich dir erlaube, mich zu fotografieren, erkläre ich meine biometrischen Daten zu Freiwild und gebe sie indirekt in die Hände einer Unternehmung ohne seriöses Geschäftsmodell und an die vielen Millionen unbezahlten Arbeiter dieser Unternehmung, die glauben, es ginge bei ihrem Tun darum, ihnen ein bisschen Menschlichkeit und Freude in der objektiven Leere ihres blöden Seins zu schaffen.

Dass eine biometrische Datenbank fast der ganzen Weltbevölkerung für viele Anwendungen interessant ist, die nicht in meinem Interesse liegen, brauche ich hoffentlich nicht weiter zu erläutern, weil sie wohl auch nicht in deinem Interesse liegen werden. Dass solche Daten irgendwann für Anwendungen verwendet werden, die in beinahe keines Menschen Interesse liegen; dass sie einmal von einer Unternehmung ohne seriöses Geschäftsmodell verkauft oder vermietet werden, einfach, weil es Profit bringt (oder kostenlos abgegeben, weil es die Regierung eines Überwachungsstaates wie etwa die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika gesetzlich erzwingt, diese einer von Geheimausschüssen »kontrollierten«, von Geheimgerichten beurteilten Geheimpolizei zu geben); dass diese Datenbank zusammenfließen wird mit dem immer weiter fortschreitend und demnächst wohl vollständig kameraüberwachten öffentlichen Raum und es ermöglichen wird, von jedem Menschen vollständige Bewegungsprofile in der Öffentlichkeit zu erstellen, von denen George Orwell nicht einmal träumen konnte, sollte sogar dir als Möglichkeit vor Augen stehen. Und. Das nicht als Möglichkeit für eine ferne Zunkunft, sondern als Möglichkeit für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Und stell dir nur mal vor: Demnächst fängt auch noch »jeder« damit an, eine Kamerabrille zu tragen, demnächst macht sich auch noch »jeder« zur hippen Überwachungsdrohne in den Wohnungen, Kneipen, Kirchen und überall! 🙁

Für Sicherheit und Ordnung. Für Ordnung und Sicherheit. Das zum technokratischen Allauge gewordene Auge des Spießers wird eine Welt aus Gartenzwergen, Katzenfotos und Polizeiknüppeln schaffen, in der zumindest ich nicht mehr atmen kann.

Auch mit deinen Fotos von anderen Menschen, die du auf deinem Blog veröffentlichst und damit zum Freiwild des Internet, zum Spielball der S/M-Barbarei und schließlich mit Sicherheit zum Datenfutter derer machst, die ihren Dienst am Staate lieber vor den Menschen, die im Staate leben, geheimhalten.

Verstehst du? Deshalb darfst du mich nicht fotografieren. Und wenn du mir einen richtig großen Gefallen tun möchtest und mich nicht mit deiner Datensammeltätigkeit für die biometrischen Überwachungsbestrebungen sozial erwürgen willst, dann fang doch bitte damit an, Landschaften, Blumen, Tiere und schräge Motive zu fotografieren und lass den Menschen ihre informationelle Selbstbestimmung! Ich finde dich als Mensch einfach angenehmer, wenn du damit aufhörst, aus Gedankenlosigkeit wie jemand zu handeln, der seine Mitmenschen verachtet.

¹S/M ist meine Abk. für »social media«. Aus Gründen.

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identi.ca ist ein Haufen Schrott geworden

Kaum jemand hat es mitbekommen, und das ist auch gut so: Ich war ein paar Monate bei indenti.ca. Das ist aus Nutzersicht so eine ähnliche Idee wie Twitter gewesen. Es ist möglich, kurze Statusmeldungen abzusetzen, Links zu schleudern, Meldugen anderer Leute zu wiederholen (»sharen« ist eines der blödesten Wörter in diesem Kontext) und zu kommentieren.

So weit, so gewöhnlich.

Das war einmal.

Aus einem Grund, den ich aus Nutzersicht nicht nachvollziehen können muss, haben sich die Macher von identi.ca dazu entschlossen, ein anderes Backend zu verwenden. Sie werden ja wohl einen Grund gehabt haben. Also einen anderen Grund, als die Nutzer zu vertreiben…

Und außerdem kann man das machen. Der Nutzer bekommt ja im Idealfall nichts vom Backend mit, und wenn hinterher die gleiche Funktion (und womöglich gar die eine oder andere Zusatzfunktion) zur Verfügung steht, wird das eher begrüßt.

Statt hier jetzt in die Details zu gehen, gebe ich eine kurze, unvollständige Anleitung:

Wie man eine derartige Umstellung so macht, dass man dafür von vielen Menschen verflucht wird

  1. Einfach machen
    Dieses Kommunizieren von Gründen und irgendwelche Vorabhinweise an die Nutzer sind nicht weiter erforderlich. Die von Nutzer bei der Registrierung angegebene Mailadresse kann man ja nicht einfach dazu benutzen, so etwas wie »Am [Datum hier einsetzen] stellen wir identi.ca um, und das ist eine größere Änderung, so dass es auch Probleme geben kann und möglicherweise geben wird. Schaut euch mal [Link auf eine Beschreibung] an, um zu lesen, warum wir das machen, was wir geplant haben und was das für euch bedeuten wird« an die Nutzer zu mailen. Die merken es ja früh genug.
  2. API? Drauf geschissen!
    Wer braucht schon eine API, wenns doch auch eine Website gibt?! Also kann die alte API einfach verworfen und durch eine neue ersetzt werden. Und zwar durch eine vollständig neue. Es weiß ja jeder, wie sehr die ganzen proggenden Leute freuen, wenn sie von vorne anfangen dürfen und bislang funktionierende Skripten und Integrationen in andere Programme einfach wegwerfen dürfen. Das sorgt für Freude bei den Anwendern, allen Programmierern und bei ein paar Leuten, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Sollen sie doch froh sein, dass sie mal ein bisschen Abwechslung im Leben haben! Und wer einen dieser Multiprotokoll-Clients benutzt, bekommt als knackigen Bonus eine völlig irreführende Fehlermeldung, die keinen Aufschluss über die wirkliche Ursache des Problems gibt.
  3. Brutalstmögliches Website-Redesign
    Zur Abwechslung gehört natürlich auch, die Website so sehr anders zu machen, dass die Nutzer nichts mehr wiederfinden. Dabei ist darauf zu achten, dass der gesamte Aufbau der Navigation vollständig anders ist, um den Nutzern möglichst viel Spaß beim Neulernen ihrer gewohnten Nutzungsreflexe zu gewähren.
  4. Logindaten ungültig machen
    Damit auch jeder merkt, dass sich wirklich etwas geändert hat, ist dem Nutzer eine Meldung zu servieren, dass er sein Passwort zurücksetzen muss, wenn er den Dienst weiterhin nutzen will – nebst einem Link, wo er das tun kann. Dort bekommt er dann einfach eine Möglichkeit, sich mit einer Mail einen Link auf eine Seite zum Ändern des Passwortes zusenden zu lassen, eine Mailadresse hat er ja angegeben. Auf gar keinen Fall dürfen solche Mails automatisch versendet werden, und auf gar keinen Fall darf der Hinweis überdeutlich sichtbar platziert werden, sonst klappt es noch bei jedem, was dem Angebot seinen elitären Reiz nimmt. Um die Nutzererfahrung aus der S/M-Hölle¹ zu verbessern, empfiehlt es sich, dafür Sorge zu tragen, dass der Mailversand nur jedes fünfte Mal klappt, es aber keine Fehlermeldungen irgendeiner Art gibt, wenn er nicht klappt. In diesem Internet, in dem immer alles auf ein paar Klicks verfügbar ist, können sich die Leute ja ruhig einmal in Geduld üben.
  5. Performance-Probleme
    Ganz wichtig ist noch, dass alles fühlbar langsamer wird, gern auch einmal angereichert um Serverüberlastungen. Die größere Behäbigkeit aller Abläufe gibt einen Eindruck von Neuartigkeit und erfreut immer, da sie mit der Verlangsamung das Gefühl einer gründlicheren, besseren Datenverarbeitung vermittelt.
  6. JavaScript ist besser
    Gute alte HTML-Links sind eine Idee aus der Steinzeit, besser ist JavaScript. Am besten tonnenweise, aber dafür nur halb funktionierend. Wer so doof ist, einen anderen Browser als den Firefox, den Internet Exploiter oder Chromium zu verwenden und dann damit Probleme hat, kann ja einen anderen Browser nehmen. Der ist schließlich besser. Sonst würden die Entwickler den ja nicht nehmen.
  7. Nicht funktionierende Navigationselemente
    Das ganze JavaScript ist natürlich nur gut, wenn es zusammen mit nicht funktionierenden Navigationselementen kommt. Am besten, ein paar auffällig gefärbte Bildchen in die Titelleiste der Seite einbauen, die anzeigen, dass Interaktionen stattfinden. Wenn man darauf klickt, wird ein Layer mit kurzen Hinweistexten und Links geöffnet. Wenn man auf die Links klickt, die da drin sind, funktionieren diese Links einfach nicht. Die direkte Verfügbarkeit dieser menschlichen Interaktionen auf einfachen Klick ist ja quasi eine Entwertung; besser ist es, wenn der Nutzer sich den Kram, von dem er in einer halb funktionierenden Anzeige erfahren hat, selbst zusammensuchen muss. Das regt zur Besinnung an, und es gewährt das im Internet so seltene Erlebnis, auch einmal sehr mühsam zu einem Erfolg zu kommen.
  8. Kernfunktionen müssen nicht funktionieren
    Wenn es die Kernfunktion ist, schnell einen kurzen Text zu verfassen, muss dies nicht etwa in einer <TEXTAREA> geschehen, sondern in einem in JavaScript implementierten Editor, der nicht funktioniert. Wenn dieser Editor beim Schreiben mitten im Wort die Zeile umbricht, dies aber nicht zu einem Zeilenumbruch in der Mitteilung führt; wenn er andererseits das Getippte wiedergibt, aber in der Mitteilung dann einfach irgendwo die Zeile umbricht, so dass die Formatierung flatterhaft und unlesbar wird, ist das schon gut. Nun muss er nur noch die Eigenschaft bekommen, Wörter, Wortbestandteile und Buchstaben bei der Eingabe zwar anzuzeigen, aber dennoch zu verschlucken. Auf diese Weise wird das Bewusstsein für die Wichtigkeit einer Kernfunktion geschärft, und das kann gar nicht scharf genug sein!
  9. Neue Funktionen müssen nicht funktionieren
    Eine neue Funktion tritt erst dadurch richtig zur Geltung, dass sie nicht nutzbar ist. Wenn es zum Beispiel möglich ist, ein Bild hochzuladen, dann sollte das auch zu einer unvergesslichen Erfahrung beim Nutzer führen. Zunächst muss der Upload in JavaScript gecodet sein, weil das einfach besser ist als HTML und HTTP. Wichtig dabei ist, dass die Uploadmöglichkeit ein in JavaScript eingeblendeter Layer ist, der so groß ist, dass ein Klick auf den Upload-Button nur mit maximiertem, bildschirmgroßen Browserfenster möglich ist – dank der absoluten Positionierung des Layers hilft Scrollen in diesem Fall nicht. Wenn der Nutzer endlich die Maximieren-Schaltfläche in seiner Fensterdekoration klickt, um die Hochladen-Schaltfläche für die Webanwendung klicken zu können, sollte ihm für diese kleine Rätsellösung auch ein leckerer Bonbon gegeben werden, um ihn auch weiterhin zu motivieren: Eine Fehlermeldung, dass der Upload nicht möglich ist.
  10. Das Design bestimmt das Bewusstsein
    Schließlich muss das alles in einem »modernen« Design daherkommen, das in seinen wichtigsten Elementen von Diaspora, Google Doppelplusgut oder Twitter abgeschaut wurde. So wird jedem bewusst, wo der Unterschied liegt… :mrgreen:
  11. Wer will sich schon abmelden
    Um dieser großartigen Erfahrung die Krone aufzusetzen, darf es nach der Umstellung keine Möglichkeit mehr geben, den Account zu löschen. Das ist besser so, denn sonst würden ja die Betreiber entmutigt, weil sie in den Statistiken sehen, dass ganz viele undankbare Nutzer einfach weggegangen sind, nachdem sie eine so gute, fortschrittliche und vor allem erneuerte Website vor sich gesehen haben. Außerdem verbessert es die Bindung der unwilligen Nutzer an die nicht mehr genutzte Website, weil sie weiterhin Mails für die eine oder andere Aktivität dort bekommen – bis auch das schließlich aufhört, weil niemand mehr irgendwelche Aktivitäten verursacht. Bindungen sind wichtig in diesem Netz mit seinen hunderten Millionen Websites!

Wer diese einfachen Tipps beherzigt, wird keine Probleme damit haben, eventuelle Nutzer seiner Webanwendung zum Schimpfen und Fluchen zu bringen und sie schließlich äußerst nachhaltig zu vergraulen.

¹S/M ist meine Abk. für »social media«. Aus Gründen.

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Mails mit Geschäftsangeboten

Werte Frau Maggie [Nachname weggelassen],

E-Mails mit »Geschäftsangeboten« wie Linktausch, Verlinkung und so weiter pflege ich an sich nur unter Unser täglich Spam zu beantworten.

Das gilt auch dann, wenn ich namentlich angesprochen werde (es ist ja nicht so leicht, meinen Namen auf dieser kleinen Homepage zu übersehen). Dass sie heute nicht dort erwähnt werden, wo sie von der Natur ihrer Mitteilung hingehören, ist nur dem relativ hohen Spamaufkommen des heutigen Tages gedankt, das wichtigere, nervigere und dümmere Nummern als die ihrige beinhaltet.

Die nächste Mail von ihnen, werte Maggie mit der kostenlos und anonym zu registrierenden Mailadresse bei Google Mail, wird von mir als eine stinkende, rottige Spam betrachtet und behandelt. Wenn sie schon hier rein schauen, können sie auch ruhig mal lesen, warum ich keine Werbung hier mache. Dann verzichten sie nämlich auf so einen plumpen Versuch, mich zur Litfaßsäule für ihre lustigen Technikspielzeuge und ihre nicht weiter empfehlenswerte Software zu machen.

Mit Geld bin ich übrigens ebensowenig zu überzeugen wie mit irgendwelchem für diese »Kooperation« rausgerückten Tinnef. Und wenn ich so etwas lese…

Jetzt möchte ich online unsere Software-Produkte Gratis zur Verfügung stellen. Ich würde mich freuen, wenn ich mit Ihrer Webseite eine Kooperation eingehen kann. Im Detail würde ich auf Ihrer Seite und für Ihre Besucher/Kunden, kostenlose Programme und Registierungscodes für unsere Softwares anbieten. Die Produkte und die Aktion wären von der Anzahl begrenzt.

…lege ich ihnen dringend nahe, für den deutschen Markt jemanden einzustellen, der auch deutsch kann. Das hat den Vorteil, dass ihre Mails nicht klingen wie eine automatisch übersetzte Sprechpuppe.

Essen sie bitte ihren verramschten Technik-Tinnef einfach auf, wenn sie ihn nicht auf seriöse Weise verkaufen können! Spülen sie mit ein paar Registrierungscodes für entbehrliche Software den schäbigen Nachgeschmack weg! Sterben sie!

Der Nachtwächter
Nach Diktat verreist

Von Links auf die Website sehe ich selbstverständlich ab…

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