Heute stand ich vor dem Problem, das kostenlos verfügbare Windows-Programm IrfanView unter Linux verwenden zu wollen. Es ist ja nicht so, dass es unter Linux keine guten Programme zur Bildbetrachtung gäbe, ich nehme hierzu am liebsten gThumb, aber ich hatte es mit einem besonders garstigen Bildformat zu tun, für das es wegen bestehender Beschränkungen keine freien Werkzeuge gibt – mit MrSID. Es handelte sich konkret um die hochauflösenden Fotos des Voynich-Manuskriptes, die von der Beinecke-Bibliothek zu Yale in diesem Format zur Verfügung gestellt werden. Diese Bilder wollte ich lieber in ein Format konvertieren, das mit meinen freien Werkzeugen handhabbarer ist, und IrfanView stellt eine für solche Zwecke sehr nützliche Batchbearbeitung zur Verfügung – ich habe Ähnliches auf Windows-Rechnern schon häufiger gemacht, und ich wusste noch, dass es ein MrSID-Plugin für IrfanView gibt.
Die gute Nachricht: Unter aktuellen Wine-Versionen (hier mit wine 1.2.2) lässt sich IrfanView ohne Probleme installieren und benutzen. Wer sich jedoch den Installer abholt und ihn naiv unter Wine ausführt, wird eine eher unangenehme Erfahrung machen: Der Installer startet nicht.
Die Ursache für dieses Versagen ist, dass IrfanView die Runtime-Umgebung für Microsoft Visual-C++ 6.0 benötigt. Diese wird vom Installer nicht mitinstalliert, sondern sie muss separat besorgt und installiert werden. Offenbar gehen die Entwickler von IrfanView davon aus, dass sich diese Runtime auf jedem Windows-Rechner befinde.
Kurzanleitung
- Natürlich muss Wine installiert sein…
- Bei Microsoft den Installer herunterladen
Am günstigsten wirdVc6RedistSetup_deu.exegenommen. Dies ist aber noch nicht das Installationsprogramm, sondern ein selbstentpackendes Archiv. - Das Archiv entpacken
Einfachwine vc6redistsetup_deu.exeausführen (oder die Datei doppelklicken). Erst darf man die üblichen Nutzungsbedingungen lesen, und nach der Zustimmung, dass man seine Seele an Microsoft verkauft, wird ein Dialog angezeigt, wohin die Datei entpackt werden soll. - Die Microsoft-Runtime installieren
Auch hier reicht es,wine vcredist.exeauszuführen (oder die Datei doppelt zu klicken). Weiter ist nichts zu tun. Es erscheint kein Dialog, der auf die erfolgreiche Installation hinweist. Beim Start an der Kommandozeile sieht man zwar einige Warnmeldungen, aber die Installation ist zumindest für IrfanView brauchbar. - IrfanView herunterladen
- IrfanView installieren
Es reicht, die Setup-EXE auszuführen, ich erkläre jetzt nicht mehr genauer, wie das geht. Die Installation entspricht dem Windows-Standard und geht erfreulich schnell. - Eventuell auch die IrfanView-Plugins herunterladen
Diese sind zum Beispiel erforderlich, wenn Bilder im MrSID-Format betrachtet oder bearbeitet werden sollen, aber auch für viele andere Funktionen in IrfanView. Natürlich müssen auch diese installiert werden, indem die Setup-EXE ausgeführt wird. - Das wars!
Ja, manchmal gehts auch problemlos…
Nach diesem verhältnismäßig einfachen Vorgang steht IrfanView zur Verfügung – es ist übrigens zusammen mit dem FastStone Image Viewer in meinen Augen eines der besten kostenlosen Bildbetrachtungsprogramme für Windows.
Was viele reine Linuxer vielleicht etwas ungewohnt finden werden, ist die Tatsache, dass IrfanView zwei Programme installiert: Das Betrachtungsprogramm »IrfanView« und den Bildbrowser »IrfanView Thumbnails«. Letzterer ist ein recht flottes Programm zum Durchstöbern von Bildbeständen, und hier findet sich auch im Menü »File« die für mich heute so kampfentscheidende Batch-Konvertierung. Unter Wine zeigt die Oberfläche zwar…
…einige Darstellungsfehler auf, insbesondere sind die Rahmen um die Vorschaubilder etwas daneben, aber diese Fehler beeinträchtigen nicht die Funktion.
Und wir werden doch für den Linux-Alltag keine Windows-Programme benutzen wollen, oder… 😉

