Gopher-Server

Zum Gopher-Server

Um einmal eine Sache zu machen, die viele Menschen wirklich überflüssig finden werden, habe ich hier einen Gopher-Server aufgesetzt.

Die meisten jüngeren Menschen wissen vermutlich gar nicht mehr, was das Gopher-Protokoll ist – denn nach dem Siegeszug des World Wide Web im Folge des großen Erfolges des damals sehr innovativen Browsers Mosaic Netscape ist Gopher immer mehr in Vergessenheit geraten. Inzwischen gibt es nur noch eine Handvoll Gopher-Server auf der Welt, und es ist eine ganze Generation von Menschen aufgewachsen, die das World Wide Web als »das Internet« versteht und aus diesem Grund eher wenig Verständnis für das Internet und sein Potenzial entwickeln kann.

Da auch heute noch viele Browser Gopher »sprechen«, kann dieser Gopher-Server einen Eindruck davon vermitteln, wie es einmal aussah. Das Protokoll ist sehr schlicht und den damals noch geringen Bandbreiten angemessen. Es gab noch nicht die Idee, dass Inhalte im Internet eines besonderen Designs bedürften, so dass aus der Sicht eines Nutzers alle Gopher-Sites identisch aussahen und damit unmittelbar verständlich waren. Der Schwerpunkt lag auf einem übersichtlichen und durchschaubaren Angebot von Inhalten, nicht darauf, mit einem Streben nach grafischer Exzellenz und reich dargebotenen multimedialen Elementen die Nutzer der Site zu unterhalten. Dabei hat das Gopher-Protokoll durchaus einige Vorzüge gehabt, die dem späteren HTT-Protokoll abgingen, etwa eine direkte Unterstützung einer Suchfunktion. Was Gopher und HTTP gemeinsam haben, ist die Möglichkeit eines Links, eines Verweises auf andere Sites im Internet.

So tot Gopher heute aussieht, es ist nicht auszuschließen, dass es noch einmal wiederkommt. Die textbasierte Präsentation der Inhalte ist zum Beispiel für eingeschränkte Menschen sehr zugänglich, für die Übertragung der Inhalte wird keine große Bandbreite benötigt und die geringen Anforderungen an die Darstellung der Inhalte ermöglichen die Nutzung einer Gopher-Site auch auf bescheidener Hardware. Wo es auf den reinen Transport von Informationen ankommt, sind das Stärken, keine Schwächen.

Aber besser als jede Beschreibung ist ein Eindruck, und den kann man sich am leichtesten verschaffen, indem man einen Gopher-Server ansurft. Wenn sie einen Browser verwenden, der das Gopher-Protokoll nicht mehr beherrscht, können sie alternativ auch die HTTP-Ansicht des Gopher-Servers benutzen, doch dabei geht vieles vom ursprünglichen Eindruck verloren. Sie sollten es ruhig einmal mit einem Gopher-fähigen Browser versuchen…

Quelle des reizenden Bildes vom Ziesel (»gopher« heißt auf Deutsch »Erdhörnchen«) ist Wikipedia. Das Bild ist unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation lizenziert.

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