Bing: Hotlinking als Geschäftsmodell

Hotlinking war bislang ein Problem, das mir vor allem bei irgendwelchen fragwürdigen Web-2.0-Sites begegnete, bei denen Leute massenhaft Inhalte aus irgendwelchen Websites in ihre Profile einbetten. Bevor ich dagegen strikt vorgegangen bin, hat es zeitweise ein Drittel des Traffics auf diesem Server ausgemacht, dass Leute irgendwelches Dekorationsmaterial auf diese Weise beschafften – und das bei Inhalten, die unter Piratenlizenz lizenziert sind und damit beliebig kopiert werden dürfen, die also in die Profile hochgeladen werden können. Eine höchst hirnlose Methode, anderen Leuten technische Probleme zu bereiten.

Nun, ich habe mir beholfen, indem ich ein paar Zeilen für bestimmte Websites in meine .htaccess aufgenommen habe, die einen kleinen Rewrite der angefragten URL in Abhängigkeit vom Referer machen. So bekamen diese Leute dann Bilder, die sie gewiss nicht so gern haben wollten, und nach wenigen Monaten hatte sich der Spuk gelegt. Der Server hatte wieder mehr Luft, um Inhalte auszuliefern, die nicht zur Dekoration irgendwo eingeklebt wurden.

So weit, so gut.

Aber das Hotlinking kommt wieder. Denn Microsoft hat jetzt Hotlinking als Geschäft entdeckt. Die Bildsuche bei Bing funktioniert jetzt so, dass sie keinen (mit Thumbnail versehenen) Link mehr auf die Website mit dem Bild macht, sondern das Bild in die Bing-Website hotlinkt. Wer also Bilder auf seiner Website hat, die häufiger einmal gefunden werden, bekommt zwar keine Besucher mehr (und kann so weder um Spenden bitten noch seine Judasgroschen für eingeblendete Reklame kassieren), aber der Server muss den Traffic dennoch stemmen. Dafür sind die Bilder auf einer Website von Microsoft eingebettet und können und werden dort auch von Microsoft in klingende Münze umgewandelt werden¹. Damit das nicht so asozial klingt, wie es ist, spricht Microsoft lieber von einer Verbesserung für Bing-Nutzer.

Nun, ich bin nicht Presse und ich fordere kein Leistungsschutzrecht (und halte das Urheberrecht in jeder Weise für einen großen Hemmschuh, der nicht so bleiben darf), aber ich finde dennoch, dass diesem asozialen »Geschäftsmodell« ein Riegel vorgeschoben werden sollte. Mein Riegel sieht so aus, dass ich eben die .htaccess bearbeitet habe und die folgenden vier Zeilen hinzugefügt habe.

RewriteEngine On
RewriteCond %{HTTP_REFERER} ^http://(.*)bing\. [NC]
RewriteCond %{REQUEST_URI} !^/wp-content/hotlinker.png
RewriteRule .*\.(gif)|(jpe?g)|(png)$ /wp-content/hotlinker.png [L,R]

So sehen die Menschen, die ein Bild über Bings Bildabschnorchelmaschine laden, jetzt ein hübsches Ersatzbild. Dieses Bild darf natürlich jeder unter den Bedingungen der Piratenlizenz nach Herzenslust kopieren und benutzen, nur vom Hotlinking bitte ich Abstand zu nehmen. Die Übersetzungen wurden zum Teil mit Google Translations angefertigt, es kann sich also um schlechte Übersetzungen handeln.

¹Die Vorgehensweise Bings ist nicht vergleichbar mit den Snippets in Suchergebnissen, die von der Suchmaschine selbst gehostet werden und in ihrer Funktion etwa einem Vorschaubild entsprächen, das dem Nutzer einen Eindruck vom gefundenen Inhalt gibt – hier geht es um die vollständige Übernahme von Inhalten auf Kosten desjenigen, der die Inhalte ins Netz stellt. Microsoft tut also genau das, wass die Journaille der BRD Google beim Einfordern eines Leistungsschutzrechtes vorwirft.

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5 Antworten zu Bing: Hotlinking als Geschäftsmodell

  1. Bio sagt:

    Hey danke!
    Schon eingebaut. 🙂

  2. Max sagt:

    *klugscheiß*
    Auf Englisch gibts asocial nicht, nur antisocial.

    • Jetzt, wo du es sagst, fällt es mir auch auf. (Das schreibe ich ja auch sonst so.) Hätte ich bloß fürs Englische auch noch Google genommen!

      Ach, kein Ort ohne Fehlerchen.

    • Bio sagt:

      Oh je, oh je. Wenn das die Leute sehen! 😛

      Ach ich lass es jetzt einfach drin. Vielleicht spuckt ja jemand gerade deshalb Galle. 😈

  3. Alexander sagt:

    Eine Frage, wie verhält es sich bei facebook? Da wird dann doch auch angezeigt oder?

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